Abend-Fußball mit der Rugby-Bundesliga. „Kreuzberg Kickt“! Unter diesem Motto sollen Jugendliche abends runter von der Straße und ihre Kräfte in einem ganz eigenen Spiel in der Halle messen. Der Kooperationspartner dieses Projekts der "Sozialen Stadt" hat sich selbst in einem harten Sport in die 1. Bundesliga emporgekämpft: Der Rugby-Klub 03 aus Weißensee. Für manchen Kreuzberger kommen diese Spieler aus einer anderen Welt. Rugby-Spieler gelten als harte Jungs und haben deshalb kein Problem sich sofort den nötigen Respekt zu verschaffen - Respekt durch Sport!!!
Das Spiel bei „Kreuzberg Kickt“ erinnert an Straßen-Fußball, dass durch die Energie und Disziplin des Rugbysports einen besonderen „Kick“ bekommt. Das Einhalten von klaren Regeln und Fairness bilden dafür den Grundstein. Durch den Austausch von Trainingseinheiten der beiden Sportarten wird dieser Ansatz geschärft und fördert den positiven Umgang miteinander.
Das Projektteam hat eine klare Regel aufgestellt: Jede Form der Grätsche ist verboten und wird mit einem Freistoß für das gegnerische Team geahndet. Die Spiele werden in Turnierform ausgetragen und ein Spiel dauert zwölf Minuten. Jede Mannschaft hat fünf Spieler. Das Angebot, dass sich derzeit in der Vorbereitungsphase befindet, fand sofort Anklang: Zum Auftakt kamen mehr als dreißig Jugendliche in die Halle der Reinhardswald - Grundschule. Und sie blieben, dribbelten, tricksten, schossen und schwitzten mehr als drei Stunden nonstop in einer schlichten, aber coolen Hallenatmosphäre.
Die Jugendlichen, die hierher kommen, hätten nie den Weg in einen herkömmlichen Sportverein gefunden. Trotzdem - oder gerade deshalb - sollen sie ein attraktives und anspruchsvolles Angebot bekommen. Dafür braucht man zunächst sportbegeisterte Kooperationspartner. Diese kommen nun aus der Rugby-Bundesligamannschaft aus Weißensee, also durchaus aus einem anderen Kulturkreis als die meisten Kreuzberger Jugendlichen. Neben dem Bolzen in der Halle muss sich jeder der kommt also auch ganz praktisch in Akzeptanz und Toleranz üben.
Die Teilnahme ist kostenlos, da das Projekt durch „Soziale Stadt“ gefördert wird. Somit können Jugendliche aus einkommensschwachen Familien daran teilnehmen. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass es für Jugendliche aus Familien mit sozialen Problemen mehr Möglichkeiten formeller und informeller Bildung, sowie Hilfe zur Überwindung sozialer Ausgrenzung geben muss. Gerade Sport ist da ein guter Weg. Viele der Jugendlichen werden erst durch dieses Angebot den Sport als ein aktives Gemeinschaftserlebnis kennenlernen. Kein Verein muss fürchten, es gebe hier ein konkurrierendes Angebot, „Kreuzberg Kickt“ ist eine Ergänzung zum Vereinsfußball.
Das Mannschaftsspiel fördert die soziale Kompetenz und stärkt die soziale Identität der Jugendlichen. Das „Kreuzberg Kickt“-Team will den 14 bis 22jährigen Kreuzbergern damit eine Möglichkeit bieten, sich auf sportlicher Ebene zu messen. Ziel ist es sie nachts von der Straße und raus aus den Spielhallen und Wettbüros zu holen. Dort halten sich viele der Jugendlichen auf um zu zocken, verlieren ihr Geld und der Kreislauf der Beschaffungskriminalität beginnt. Vielleicht wird durch dieses Angebot an die Jugendlichen auch die oft angespannte Wohnsituation in der Nachbarschaft verbessert, indem sie sich weniger in Angsträume wie Hinterhöfen aufhalten, dies zumindest versprechen sich die Initiatoren des neuen Projekts im Kreuzberger Wassertorgebiet. Auf der anderen Seite muss natürlich das Projektteam die verschiedenen Kreuzberger Kulturen widerspiegeln, denn "Kreuzberg Kickt" sollen die Jugendlichen als Heimspiel erleben. Damit leistet dieses Sport-Angebot ganz praktische Gewaltprävention. Die Jugendlichen bekommen Erfolgserlebnisse, Konfliktpotentiale werden abgebaut und sie lernen den Wert von Fairness und Teamarbeit kennen.
Dass sie gleichzeitig ihre körperliche Fitness verbessern und so etwas gesünder leben, ist ein angenehmer Nebeneffekt.
"Kreuzberg Kickt" wird im Auftrag der "Sozialen Stadt" vom Verein Wassertor 48 e.V. durchgeführt, der seit Jahren durch die Arbeit in der Netzwerkinitiative STOPP TOKAT alle Voraussetzungen für so ein Projekt mitbringt.
Finanziert wird das Projekt bis zum 31.12.2014.
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